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ADHS – Kinder in Schule und Familie von Klaus-Ingo Marquardt Auf einer Arbeitstagung am 9. September 2008 referierte der Leiter der Tagesklinik ZIP in Kiel, Dr. Dr. Stefanos Hotomanidis zu einem Thema, das vielen Schulleitungen und Lehrkräften unter den Nägeln brennt. Der große Saal des Hotels ConventGarten in Rendsburg war mit fast 200 Teilnehmern voll besetzt, die aus erster Hand Informationen und Hilfestellungen zu erhalten hofften. Dr. Hotomanidis enttäuschte seine Zuhörerinnen und Zuhörer nicht. Ernsthaft, aber nicht trocken erläuterte er die Entstehung und Behandlung dieser immer häufiger auftretenden Störung. Bei den ADHS-Kindern werden drei Subtypen unterschieden: 1. Vorwiegend Hyperaktiv-Impulsiver Typus: Hier steht die Hyperaktivität und Impulsivität im Vordergrund, während Aufrnerksamkeitsstörungen nicht oder wenig ausgeprägt vorliegen. 2. Vorwiegend Unaufmerksamer Typus: Hier stehen die Aufmerksamkeitsstörungen im Vordergrund, während Hyperaktivität und Impulsivität nicht bzw. wenig ausgeprägt sind. 3. Mischtypus: Bei diesem Typus sind sowohl Hyperaktivität und Impulsivität als auch Aufmerksamkeitsstörungen gleich stark ausgeprägt. Dieser Typ liegt am häufigsten vor. Die Störungen werden danach in folgender Weise definiert: 1. Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung 2. Hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens Hyperkinetische Störungen sind charakterisiert durch - einen frühen Beginn, - einen Mangel an Ausdauer bei Beschäftigungen,die kognitiven Einsatz verlangen und - eine Tendenz von einer Tätigkeit zur anderen zu wechseln,ohne etwas zu Ende zu bringen. Hinzu kommt eine desorganisierte, mangelhaft regulierte und überschießende Aktivität. Zusätzlich können auch andere Auffälligkeiten vorliegen: - Unachtsamkeit und Impulsivität - Neigung zu Unfällen - Distanzlosigkeit (dadurch abgelehnt und isoliert) - Verzögerungen der motorischen und sprachlichen Entwicklung Sekundäre Komplikationen sind: - dissoziales Verhalten und - niedriges Selbstwertgefühl Die Auffälligkeiten in der Schule zeigen sich an den folgenden Symptomen: 1. Psychomotorische Unruhe 2. Mangelnde Fähigkeit, die eigenen Bewegungen einzuschätzen 3. Feinmotorische Defizite 4. Defizitäre Selbststeuerung 5. Leichte Ablenkbarkeit 6. Merkfähigkeitsschwäche 7. Unfähigkeit an Unterrichtsmethoden teilzunehmen,die selbstorganisiertes Arbeiten erfordern 8. Chaotische. Arbeitstruktur 9. Starke Neigung, sich in den Vordergrund zu stellen 10. Oppositionelles Verhalten 11. Mangelnde Verfügbarkeit von sozialen Kompetenzen 12. Impulsive Vorgehensweise Wie geht man mit solchen Verhaltensweisen um, die einer neurologischen Störung entspringen und nicht einer bösen Absicht? Dr. Hotomanidis zeigte folgende Orientierungshilfen auf: 1. ADHS-Kinder brauchen sehr strukturierten Unterricht 2. Kritisieren von Kleinigkeiten provoziert oppositionelles Verhalten 3. Direkter Lehrerkontakt und Reduzierung von Ablenkungsfaktoren erhöhen die Konzentration 4. Mit nonverbalem Verhalten den Schüler zum Ausgangspunkt zurückbringen 5. Mündliche Beiträge im Unterricht stärker bewerten 6. Die Anstrengungsbereitschaft des Kindes verstärken 7. In den letzten Unterrichtsstunden des Tages besonderes Verständnis für ADHS-Kinder zeigen 8. Die besondere Gefährdung der ADHS-Kinder bei sportlichen Aktivitäten berücksichtigen. 9. Mit verbalen Instruktionen vorsichtig umgehen 10. Mögliche Teilleistungsschwächen berücksichtigen 11. Die Ablenkung und die Hyperaktivität als Produkte der Reizoffenheit verstehen 12. Auf das hohe Erregungsniveau des Kindes liebevoll eingehen 13. Sich durch ordinäre Ausdrücke nicht provozieren lassen 14. Auf Androhungen oder Verweigerungsäußerungen des Kindes mit Gelassenheit reagieren 15. Verstärkt positive Zuwendung geben 16. Wiederholte Kontrollen sind notwendig 17. Eltern und Lehrer brauchen immer wieder Unterstützung In der anschließenden Diskussion wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern immer wieder darauf hingewiesen, dass besonders der letzte Punkt der Orientierungshilfen, nämlich die Unterstützung von außen, fast nirgendwo vorhanden ist. Die Schulpsychologen sind hoffnungslos überlaufen, so dass von dieser Seite keine Hilfe zu erwarten ist. Andere Hilfen gibt es nur sehr vereinzelt und auch diese sind auf Monate ausgebucht. Wer im ZIP in Kiel einen Termin haben möchte, muss ca. 3 Monate warten. Trotzdem sollten diese Terminangebote angenommen werden, denn die Situation wird sich nicht verbessern. Auch andere Kliniken, z.B. in Rendsburg und Husum bieten Hilfen an. Aber das, was wirklich die Situation entschärfen könnte, nämlich qualifizierte Helfer direkt in der Schule, darauf werden wir wohl noch sehr lange warten müssen. Das heißt: Hilfe von außen ist nicht zu erwarten. Also müssen wir in den Schulen Hilfen für diese Kinder entwickeln und ihnen vor allem mit einheitlichem Verhalten und klaren Strukturen helfen, ihre Defizite abzubauen. Zum Abschluss präsentierte Dr. Hotomanidis die Kompetenzen des Erziehers (nach Werner Loch), die nötig sind, um diese Ziele zu erreichen. 1. Kontaktfähigkeit 2. Darstellungsfähigkeit 3. Bestärkungsfähigkeit 4. Aktivierungsfähigkeit 5. Selbsterhaltungsfähigkeit
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